1860-69

Phoenix von der Frankfurter Bootswerft Leux

Namenszug auf dem Riemen-Vierer Phoenix

Namenszug auf dem Riemen-Vierer Phoenix

Als Leihgabe besitzt der FRV den in Schindelbauweise erstellten Riemenvierer “Phoenix” von der Werft Leux. Im Innern ist das “geklinkerte” Boot noch gekennzeichnet mit der Originalmarke “Ferdinand Leux Bootbauerei Frankfurt a.M. Niederrad”. Das Boot müsste daher schon vor 1925 gebaut worden sein, als …

Weltoffener Anfang: Rothschild, Speyer, Friedleben, Posen, Goldschmidt

Jüdische Unterstützer und Aktive im FRV – Teil 1

Die nachträglich etwa 1875 angelegte, vier Jahre geführte Liste enthält auch zahlreiche Namen englischer, französischer oder jüdischer Herkunft.

Die nachträglich etwa 1875 angelegte, vier Jahre geführte Liste enthält auch zahlreiche Namen englischer, französischer oder jüdischer Herkunft. (FRV-Archiv; Foto privat)

Zur Gründung 1865 ist der Frankfurter Ruderverein eine zwar von Kaufmannsstandesdünkel geprägte, aber weltoffene Veranstaltung. Schließlich ist der Rudersport durch englische Internate in Frankfurt und Offenbach an den Main gekommen. Die erste, bis 1879 geführte Liste verzeichnet zahlreiche FRV-Mitglieder mit französischen oder englischen Namen (vgl. Beispiele am Ende dieses Beitrags). Manchmal bleiben sie nur wenige Monate im Verein, meist ist ihr Aufenthalt in Frankfurt wohl auch nicht von Dauer. Unter den beigetreten Aktiven sind auch einige jüdischer Herkunft. Dies ist damals nicht selbstverständlich, werden doch in Frankfurt erst 1864 die letzten Einschränkungen der Rechte jüdischer Bürger aufgehoben, kann von voller Integration in der Stadt noch keine Rede sein.

Die nächsten drei Blogs berichten über „Jüdische Unterstützer und Aktive im FRV“, zunächst über einige bedeutende Personen aus der Anfangszeit des Vereins. In Teil 2 folgt die weitere Geschichte ab dem ersten Weltkrieg bis zum düstersten Kapitel deutscher Geschichte. Und Teil 3 zeigt Bezüge von Anne Franks Vater Otto und Großvater Michael zum Ruderverein bis in die 1950er Jahre.

Wie die Boote schneller wurden

Hebel, Gewicht und Stabilität

Zunächst rudert der Frankfurter Ruderverein von 1865 mit gemieteten Booten von der Werft Leux. Diese haben 3 Ruderplätze mit Doppelrudern. Zwei davon, Charlotte und Venus, werden 1866 auf Riemen mit Steuermann umgerüstet und daraufhin als „englische“ Boote bezeichnet.

Im April 1866 kommt das neue, von Leux für den FRV angefertigte sechsruderige Boot hinzu: Die Gig, die auch gesegelt werden kann und wie ein Seeschiff ein Steuerrad hat, ist aus Eichenholz, fast neun Meter lang und wiegt rund 250 kg. Der Blog 150 Jahre hat sie →hier bereits genauer beschrieben. All diese Boote sind so schwer, dass sie dauerhaft im Wasser liegen und nicht im Bootshaus gelagert werden. Sie sind sicher auch deutlich langsamer als heutige Boote. Die Physik der Ruderboote hat sich vor allem in den ersten fünf Jahrzehnten nach der Gründung noch stark entwickelt, wie ein Blick in die Vereinsgeschichte zeigt.

Boote am Bootshaus des FRV im Jahr 1874: zwei Vierer, ein Zwölfer, ein Kajak, ein Segelboot

Boote am Bootshaus des FRV im Jahr 1874: zwei Vierer, ein Zwölfer, ein Kajak, ein Segelboot (zum Vergrößern bitte anklicken)

Der aus seinen Stammlanden nach Österreich emigrierte Herzog von Nassau stiftet 1868 zwei holländische Dollenboote und wenige Monate später zeigt ein Besucher aus Rotterdam den FRV-Mitgliedern auch das damit mögliche „Scheeren“, also das Drehen der Ruderblätter außerhalb des Wassers.

Frankfurt in den Gründungsjahren des FRV

Fotografien von Mylius, Aquarelle von Reiffenstein

Zwei Frankfurter, der Fotograf →Carl Friedrich Mylius und der Maler →Carl Theodor Reiffenstein haben ein umfangreiches Stadtportrait aus der Gründungszeit des Rudervereins hinterlassen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lichtete Mylius zahlreiche Gebäude und Straßenzüge der rasch wachsenden Stadt ab. Um die empfindlichen Glasnegative rasch zu entwickeln, zog er mit seinem Dunkelkammer-Wagen umher. Das mittelalterliche Stadtzentrum rund um den 1877 wiederhergestellten Kaiserdom hat er ebenso dokumentiert wie Neubauten, etwa Gaswerke, Hauptbahnhof, Obermainbrücke, Zoo-Gesellschaftshaus und Irrenanstalt.

Eiserner Steg um 1869, Historisches MuseumAuf seiner im Historischen Museum Frankfurt verwahrten →Aufnahme des Eisernen Stegs ist im Vordergrund der Schiffbauerplatz zu sehen.

Das erste Foto vom Verein

17 Mitglieder und zwei Boote auf dem Bootsplatz 1869

Mitglieder auf dem Bootsplatz 1869

Mitglieder auf dem Bootsplatz 1869 (Bild anklicken für größere Darstellung)

Das erste Foto des Frankfurter Rudervereins entstand vermutlich im Jahr 1869, als das Bootshaus noch auf der Werft Leux stand. Zwar datiert es die Chronik 60 Jahre FRV auf 1866, das ist aber kaum möglich, denn im Hintergrund sieht man bereits den erst 1868 erbauten Eisernen Steg. Dieser erhielt 1871 gotische Türmchen an den Pfeilern, die hier noch nicht sichtbar sind.

Die ersten Neujahrsempfänge

Bootshaus eingeweiht, Sechser auf Kiel gelegt

Der Schiffbauplatz mit der Werft Leux aus der Vogelperspektive: Hier errichtete der FRV 1865 sein erstes Domizil, das er mehrmals erweiterte, bis er 1871 auf die Maininsel umzog.

Der Schiffbauplatz mit der Werft Leux aus der Vogelperspektive: Hier errichtete der FRV 1865 sein erstes Domizil, das er mehrmals erweiterte, bis er 1871 auf die Maininsel umzog.

Bis der Schnee die Ofenrohre verstopfte, floss viel Punsch: Am Sonntag, den 6. Januar 1867, also vor genau 148 Jahren, weihte der FRV seine vergrößerte Hütte ein. Diese erste Behausung des Vereins diente zur Aufbewahrung von Kleidung und Gerät und als Versammlungspunkt der Mitglieder. Sie stand am Sachsenhäuser Ufer.