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Weltoffener Anfang: Rothschild, Speyer, Friedleben, Posen, Goldschmidt

Jüdische Unterstützer und Aktive im FRV – Teil 1

Die nachträglich etwa 1875 angelegte, vier Jahre geführte Liste enthält auch zahlreiche Namen englischer, französischer oder jüdischer Herkunft.

Die nachträglich etwa 1875 angelegte, vier Jahre geführte Liste enthält auch zahlreiche Namen englischer, französischer oder jüdischer Herkunft. (FRV-Archiv; Foto privat)

Zur Gründung 1865 ist der Frankfurter Ruderverein eine zwar von Kaufmannsstandesdünkel geprägte, aber weltoffene Veranstaltung. Schließlich ist der Rudersport durch englische Internate in Frankfurt und Offenbach an den Main gekommen. Die erste, bis 1879 geführte Liste verzeichnet zahlreiche FRV-Mitglieder mit französischen oder englischen Namen (vgl. Beispiele am Ende dieses Beitrags). Manchmal bleiben sie nur wenige Monate im Verein, meist ist ihr Aufenthalt in Frankfurt wohl auch nicht von Dauer. Unter den beigetreten Aktiven sind auch einige jüdischer Herkunft. Dies ist damals nicht selbstverständlich, werden doch in Frankfurt erst 1864 die letzten Einschränkungen der Rechte jüdischer Bürger aufgehoben, kann von voller Integration in der Stadt noch keine Rede sein.

Die nächsten drei Blogs berichten über „Jüdische Unterstützer und Aktive im FRV“, zunächst über einige bedeutende Personen aus der Anfangszeit des Vereins. In Teil 2 folgt die weitere Geschichte ab dem ersten Weltkrieg bis zum düstersten Kapitel deutscher Geschichte. Und Teil 3 zeigt Bezüge von Anne Franks Vater Otto und Großvater Michael zum Ruderverein bis in die 1950er Jahre.

Schon 1870: Ruderinnen bei der FRV-Regatta

„Offenbacher Mädchen in roten Blusen und schwarzen Röcken“

Der Frankfurter Ruderverein veranstaltet am 29. Mai 1870 die erste Regatta in Frankfurt und damit die dritte in Deutschland überhaupt. Diese Regatta findet also schon gut zwei Jahre vor der →ersten internationalen Regatta statt. Frankfurter Germania und Hanauer Ruderverein sind 1870 die Gegner. 700 geladene Gäste empfängt der FRV in einem Zelt auf dem Oberwehr, der östlichen Maininsel flussaufwärts von der Alten Brücke. Start ist bei der Gerbermühle, Wende am Eisernen Steg, Ziel die Alte Brücke. Der Kampfrichter muss reiten, da Niedrigwasser den Einsatz des Dampfboots unmöglich macht. Bei der ersten Wettfahrt, im gesteuerten Zweier, starten drei Boote der Frankfurter Werften Wirth und Leux und: ein Damenteam.

Interessant war es, daß bei dieser Fahrt drei malerisch gekleidete schöne Mädchen mit ihren männlichen Gegnern concurrirten. Leider war ihnen Fortuna nicht günstig, denn „Castellar“, Steuermann Hr. Reul, besiegte die gewandten Ruderinnen, die anfänglich im Vortheil waren und kamen sie erst zuletzt an.

Wie die Boote schneller wurden

Hebel, Gewicht und Stabilität

Zunächst rudert der Frankfurter Ruderverein von 1865 mit gemieteten Booten von der Werft Leux. Diese haben 3 Ruderplätze mit Doppelrudern. Zwei davon, Charlotte und Venus, werden 1866 auf Riemen mit Steuermann umgerüstet und daraufhin als „englische“ Boote bezeichnet.

Im April 1866 kommt das neue, von Leux für den FRV angefertigte sechsruderige Boot hinzu: Die Gig, die auch gesegelt werden kann und wie ein Seeschiff ein Steuerrad hat, ist aus Eichenholz, fast neun Meter lang und wiegt rund 250 kg. Der Blog 150 Jahre hat sie →hier bereits genauer beschrieben. All diese Boote sind so schwer, dass sie dauerhaft im Wasser liegen und nicht im Bootshaus gelagert werden. Sie sind sicher auch deutlich langsamer als heutige Boote. Die Physik der Ruderboote hat sich vor allem in den ersten fünf Jahrzehnten nach der Gründung noch stark entwickelt, wie ein Blick in die Vereinsgeschichte zeigt.

Boote am Bootshaus des FRV im Jahr 1874: zwei Vierer, ein Zwölfer, ein Kajak, ein Segelboot

Boote am Bootshaus des FRV im Jahr 1874: zwei Vierer, ein Zwölfer, ein Kajak, ein Segelboot (zum Vergrößern bitte anklicken)

Der aus seinen Stammlanden nach Österreich emigrierte Herzog von Nassau stiftet 1868 zwei holländische Dollenboote und wenige Monate später zeigt ein Besucher aus Rotterdam den FRV-Mitgliedern auch das damit mögliche „Scheeren“, also das Drehen der Ruderblätter außerhalb des Wassers.

Film von 1914: Frankfurter Regatta

31. Mai und 1. Juni beim Abschied von der Insel

Zwei Vierer vor der Deutschherrrnbrücke

Zwei Vierer vor der Deutschherrnbrücke

Zwei Monate vor Beginn des ersten Weltkriegs findet in Frankfurt die Regatta des Regattavereins statt. Der FRV ist nicht mehr so erfolgreich wie in den Jahren davor, vielleicht weil er an diesem Wochenende von der Maininsel auf das Sachsenhäuser Ufer umziehen musste. Eine gut dreiminütige →Filmaufnahme, die →Oskar Barnack von der Regatta gemacht hat, ist im Internet beim Deutschen Filminstitut verfügbar und durchaus sehenswert.